Ausgangslage · Vision · Werte

Wo unsere Kinder stehen – und wohin wir mit ihnen wollen.

Schülerinnen und Schüler wachsen heute in einer Welt auf, die volatil, ungewiss, komplex und mehrdeutig ist – mit allem, was das für sie, für ihre Eltern, ihre Lehrpersonen und die Schule bedeutet. Eine Standortbestimmung, ein Blick auf die Schere zwischen Wollen und Können – und ein Kompass aus Werten, der trägt.

📍 Ausgangslage 🧭 Vision ✂️ Schere 🌱 Werte
1

Wo wir stehen – eine VUCA-Welt

Die Welt, in die unsere Schülerinnen und Schüler hineinwachsen, lässt sich mit vier Buchstaben umreissen. Sie beschreiben weniger eine Krise als einen Dauerzustand – und sie verändern, was Schule leisten soll.

V
U
C
A

Volatility · Uncertainty · Complexity · Ambiguity

Volatil – alles ändert sich schnell. Ungewiss – Prognosen halten kaum mehr. Komplex – Ursache und Wirkung verschwimmen. Mehrdeutig – Wahrheit ist verhandelbar geworden.

👨‍👩‍👧

Eltern

Sorge und Überforderung

«Wie viel Bildschirm ist gesund?» – «Welche App ist okay?» – «Soll mein Kind ChatGPT nutzen?» Eltern stehen oft selbst als digitale Fremde da und sollen trotzdem Orientierung geben.

Wollen schützen, ohne ausschliessen zu müssen.

🧒

Kinder & Jugendliche

Identitätsbildung im Display

Sie wachsen in einer Welt auf, in der Freundschaft, Konflikt und Selbstbild auch online ausgehandelt werden. Werkzeugsicher – aber selten reflektiert. Schnell – aber selten in Ruhe.

Suchen Halt, finden Likes.

👩‍🏫

Lehrpersonen

Auftrag wächst, Zeit nicht

Lehrplan 21 bringt neue Verantwortung. Medien und Informatik gehören dazu, KI klopft an die Tür. Viele LP lernen mit – und sollen gleichzeitig lehren, was sie selbst noch erarbeiten.

Begleiten, ohne alles selbst zu beherrschen.

🏫

Schule & System

Paradigmenwechsel im Gang

Strukturen, Stundentafeln, Lehrmittel: Vieles wurde für eine andere Welt gebaut. Infrastruktur, Datenschutz, Weiterbildung, Erwartungen aus Politik und Elternhaus – die Schule trägt vielerorts gleichzeitig.

Soll Antworten geben auf Fragen, die noch nicht gestellt sind.

2

Wohin wir mit den Kindern wollen

Wir bereiten Kinder nicht auf eine bestimmte Zukunft vor – wir stärken sie für eine offene. Was sollen sie können, wenn sie die Schule verlassen? Sechs Bilder, die uns leiten.

unsere Vision für die SuS

Sie sollen aus der Schule treten als …

1
Selbstregulierte Mediennutzer:innen
… die entscheiden, wann sie offline gehen.
2
Kritische Köpfe
… die nicht alles glauben, was sie sehen.
3
Kreative Produzent:innen
… nicht nur Konsument:innen.
4
Verantwortliche Mit­schüler:innen
… die wissen, dass Worte verletzen können.
5
Mit KI denkende Menschen
… die das Werkzeug nutzen, ohne sich davon ersetzen zu lassen.
6
Personen mit Identität
… die wissen, wer sie sind, auch wenn das Display schwarz ist.
«Wir bereiten Kinder nicht auf eine bestimmte Zukunft vor – wir stärken sie für eine offene.»
Grundprinzip zeitgemässer Bildung
3

Die Schere zwischen Wollen und Können

Zwischen den hohen Ansprüchen, die wir an unsere Kinder, an die Schule und an uns selbst stellen, und dem, was wir im Alltag wirklich umsetzen können, klafft eine Lücke. Sie ehrlich zu benennen ist der erste Schritt.

WAS WIR WOLLEN
WAS WIR KÖNNEN
✂️
~ die Lücke
↑ WOLLEN
  • Kinder mündig im Digitalen begleiten
  • Lehrplan 21 vollumfänglich umsetzen
  • KI-Kompetenz integrieren
  • Medienpädagogik nicht «nebenbei»
  • Eltern mitnehmen, Schulkultur entwickeln
  • Datenschutz und Sicherheit selbstverständlich
↓ KÖNNEN
  • Wenig zusätzliche Unterrichtszeit
  • LP-Weiterbildung selten systematisch
  • Geräte und Infrastruktur uneinheitlich
  • KI im Lehrplan noch nicht verankert
  • Eltern oft selbst überfordert
  • Tempo der Technik > Tempo des Systems
4

Suche nach Umsetzung

Die Lücke schliesst sich nicht durch grosse Würfe. Sondern durch kleine, nachvollziehbare Schritte – mit Werkzeugen, die schon da sind, und der Bereitschaft, mit den Kindern zu lernen statt vor ihnen.

1
Klein anfangen

Ein Thema pro Quintal. Eine Lektion mehr. Eine ehrliche Reflexion am Schluss. Statt Reform – Routine.

2
Bestehende Modelle nutzen

Es gibt schon gute Modelle: SAMR zeigt, wie tief die Technik in eine Aufgabe eingreift, die vier K stehen für Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken, und das Dagstuhl-Dreieck schaut ein Thema von drei Seiten an. Neu erfinden musst du nichts – aber du solltest wissen, warum du welches Modell nimmst.

3
Mit den Kindern lernen

Nicht alles wissen müssen. Fragen stellen dürfen. Gemeinsam ausprobieren. Reflektieren wird zum Lerngegenstand.

4
Eltern einbeziehen

Elternabend zu Bildschirmzeit, Chat-Regeln, KI. Nicht belehren – gemeinsam aushandeln.

5
Schulhaus mitnehmen

Gemeinsame Vereinbarungen statt Einzelkämpfertum. Setz dich mit der Schulleitung und mit der Person zusammen, die bei euch für Medien und Informatik zuständig ist – oft PICTS genannt.

6
Selbst weiterlernen

Eine Stunde Weiterbildung pro Monat. Ein neues Tool ausprobieren. Sich austauschen.

5

Werte als Kompass

Wenn das Tempo hoch ist und die Antworten unklar sind, brauchen wir nicht mehr Regeln – sondern klarere Werte. Sie geben uns Orientierung dort, wo Lehrpläne (noch) schweigen.

Warum Werte und nicht Regeln?

Regeln gelten, bis sich die Welt ändert. Werte tragen, auch wenn sich die Welt ändert. Sie helfen Kindern – und uns – durch Fragen zu finden, die wir heute noch nicht kennen.

01
Würde

Kein Mensch wird zum Datenpunkt. Auch online bleibt das Gegenüber ein Mensch.

02
Verantwortung

Was ich teile, was ich erschaffe – es hat Folgen. Für andere und für mich.

03
Wahrhaftigkeit

Quellen prüfen, Bilder hinterfragen, Wahrheit als Anstrengung verstehen.

04
Freiheit

Selbstbestimmt entscheiden, wann ich online gehe – und wann ich es lasse.

05
Gemeinschaft

Den Menschen vor mir sehen, bevor ich den Bildschirm sehe.

06
Mut

Auch dann handeln, wenn die Antwort nicht eindeutig ist. Fehler einrechnen.

6

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Die folgenden Beiträge vertiefen einzelne Aspekte und geben dir konkrete Werkzeuge an die Hand.

Creative Commons, mit Namensnennung: Unterricht-digital.ch 2026 · Beitrag im Bereich Pädagogik