🔺 Was ist das SAMR-Modell?
Das SAMR-Modell von Ruben Puentedura (2006) zeigt Lehrpersonen, wo sie stehen, wenn sie digitale Medien im Unterricht einsetzen – und wohin sie sich entwickeln können. Das Akronym steht für Substitution, Augmentation, Modification, Redefinition (Ersetzung, Erweiterung, Änderung, Neudefinition). Die ersten beiden Stufen sind Verbesserung, die beiden oberen Umgestaltung des Unterrichts.
🎬 Video · Das SAMR-Modell
Das SAMR-Modell erklärt
Video von unterricht-digital.ch
🪜 Die 4 Stufen im Detail
Zone 1: VERBESSERUNG (Enhancement)
1
S
Substitution · Ersetzung
Technologie ersetzt ein analoges Werkzeug ohne funktionale Veränderung. Der Unterricht bleibt im Kern gleich.
💡 Beispiele: PDF-Arbeitsblatt statt Papier · Text am Tablet tippen statt von Hand schreiben · Lückentext online ausfüllen
2
A
Augmentation · Erweiterung
Technologie ersetzt analoge Werkzeuge mit funktionaler Verbesserung. Gleiche Aufgabe, aber mit digitalen Mehrwerten.
💡 Beispiele: Text mit Rechtschreibprüfung & Überarbeitung · Kahoot statt Handzeichen · LearningApps · OneDrive-Dokument teilen
Zone 2: UMGESTALTUNG (Transformation)
3
M
Modification · Änderung
Die Aufgabe selbst wird umgestaltet. Digitale Werkzeuge ermöglichen neue Arbeitsformen – zusammenarbeiten, unmittelbar Feedback bekommen.
💡 Beispiele: Gemeinsam an Dokumenten schreiben (Etherpad, Google Docs) · Blog-Einträge mit Kommentaren · eigene Erklärvideos · Klassen-Podcast
4
R
Redefinition · Neudefinition
Lernaufgaben entstehen, die ohne Technologie gar nicht denkbar wären. Neuartige Lernkultur, schülerzentriert, multimedial.
💡 Beispiele: eBook mit Book Creator veröffentlichen · Trickfilm / Erklärvideo · digitales Storytelling · Videocall mit Klasse in anderem Land · KI-Dialoge
🏊 Vom Leiter- zum Swimmingpool-Modell
Ursprünglich wurde SAMR als Leiter dargestellt – als müsste man Stufe für Stufe erklimmen. Das führt oft zu Frust: «Ich muss immer auf Redefinition!» Das ist nicht so.
🏊 Jaclyn Stevens' Swimmingpool-Metapher: Stell dir SAMR als Schwimmbad vor. Substitution und Augmentation sind der Nichtschwimmerbereich – dort kann man sicher arbeiten und lernen. Modification und Redefinition sind der Schwimmerbereich – da geht mehr, aber man muss schwimmen können. Gute Lehrpersonen wechseln je nach Lernsituation zwischen allen Zonen – es gibt nicht «das richtige» Level. Manchmal reicht Substitution total. Manchmal ist Redefinition unpassend.
⚠️ Kritik am Modell
Stufenlogik ist irreführend: Redefinition ist nicht automatisch «besser» als Substitution.
Werkzeug-Fokus: Das Modell blickt stark auf die Technologie, wenig auf Pädagogik oder Lernziele.
Einordnung ist subjektiv: Ob etwas «Augmentation» oder «Modification» ist, sehen Studien unterschiedlich.
Kontext fehlt: Die gleiche App kann je nach Situation auf verschiedenen Stufen eingesetzt werden.
Ausweg: SAMR als Denkwerkzeug nutzen – nicht als Bewertungsraster.
🪞 Reflexionsfragen für Lehrpersonen
Auf welcher Stufe bewegt sich meine nächste Lektion hauptsächlich? Warum genau diese?
Wenn ich nur auf Substitution unterwegs bin: Was spare ich? Was entgeht den Kindern?
Gibt es eine Aufgabe, die ich bisher auf Papier löse, die auf Modifications-Level viel besser wäre?
Wo wäre Redefinition wirklich sinnvoll – und wo wäre sie nur «Spielerei»?
🔗 Links & Material
← Übersicht Unterrichtsmodelle 📖 Wikipedia 📄 bildung.digital · Swimmingpool 🌱 Pädagogik-Übersicht
💡 Merksatz: SAMR ist kein Wettlauf nach oben, sondern ein Kompass. Die Frage ist nicht «bin ich auf Stufe 4?», sondern «erreiche ich mit meiner Wahl das Lernziel am besten?». Manchmal ist das klassische Arbeitsblatt immer noch die beste Wahl – und manchmal eröffnet erst ein Erklärvideo auf Redefinition-Ebene einen neuen Lernzugang.