Unterrichtsvorschlag für Lehrpersonen

Mobbing
erkennen, verstehen,
handeln.

Eine erfahrungsbasierte Unterrichtseinheit für Klassen 4–6 mit Rollenspielen, Reflexionsübungen, Szenario-Analysen und kooperativen Elementen.

🕐 5 Lektionen à 45 Min.
👩‍🎓 Klassen 4–6
📚 MI.1.2 · ERG 5.2
🎭 Erfahrungsorientiert
🧩 Kooperatives Lernen

Übersicht & Lernziele

Diese Einheit begleitet Schülerinnen und Schüler durch das Thema Mobbing – von der eigenen Erfahrungswelt aus. Im Zentrum stehen Empathie, Zivilcourage und konkrete Handlungsstrategien.

Lernziele

1
SuS erklären, was Mobbing ist, und unterscheiden es von Streit oder Konflikten.
2
SuS erkennen Formen von Mobbing (körperlich, verbal, sozial, digital) und deren Auswirkungen auf alle Beteiligten.
3
SuS nehmen verschiedene Perspektiven ein (Betroffene, Täter, Zeuge) und entwickeln Empathie.
4
SuS kennen konkrete Handlungsmöglichkeiten und üben Zivilcourage in simulierten Situationen.
5
SuS reflektieren ihr eigenes Verhalten und entwickeln persönliche Haltungen.

Pädagogischer Ansatz

🎭
Erfahrungsorientiertes Lernen

SuS lernen durch eigene Erfahrungen und Erlebnisse. Rollenspiele, Perspektivenwechsel und Körperübungen machen abstrakte Konzepte spürbar und unvergesslich. Was man erlebt hat, versteht man tiefer.

🔄
Zyklus: Erleben → Reflektieren → Verstehen → Anwenden

Jede Lektion folgt diesem Zyklus. Zuerst erleben SuS etwas, dann reflektieren sie gemeinsam, daraus entsteht Verständnis – und schliesslich wird es auf echte Situationen angewendet.

🛡️
Schutzraum schaffen

Vor Beginn der Einheit werden gemeinsam Klassenregeln besprochen. Alles was in der Klasse passiert, bleibt in der Klasse. Kein Auslachen. Keine echten Namen bei Szenarien.

Einheit auf einen Blick

LektionThemaKern-ErfahrungselementSozialform
L 1 Was ist Mobbing?
Abgrenzung, Merkmale
🧊 Eiswürfel-Übung · Szenario-Karten Plenum / Gruppe
L 2 Die 3 Rollen
Täter, Opfer, Zeuge
🎭 Rollenspiel «Schulhof» Gruppe / Plenum
L 3 Gefühle & Auswirkungen
Empathie, Körper
🌡️ Körperthermometer · Brief schreiben EA / Partner
L 4 Handeln & Helfen
Zivilcourage, Strategien
🔥 Fishbowl · STOPP-Training Gruppe / Plenum
L 5 Unsere Klasse – Abschluss
Verbindlichkeit, Transfer
📜 Klassenvertrag · Stärken-Galerie Klasse / EA
💡 Lehrplan 21: Diese Einheit verknüpft MI 1.2 (Cybermobbing), ERG 5.2 (Zusammenleben, Regeln, Konflikte) und D.3 (Sprache als Werkzeug in sozialen Situationen).

Erfahrungselemente

Hier findest du alle Erfahrungsübungen der Einheit – mit Anleitung, Zeitangabe und pädagogischem Ziel. Sie können auch einzeln in andere Unterrichtseinheiten eingebaut werden.

🧊
Warm-up · Einstieg
Eiswürfel-Übung: «Wärme oder Kälte?»
SuS stehen im Kreis. LP liest kurze Aussagen vor («Jemand lacht über deinen Fehler», «Jemand sagt dir, du machst das super»). SuS reagieren körperlich: Arme verschränken = kalt/unangenehm, Arme öffnen = warm/angenehm.

Nach 6–8 Aussagen: Kurze Reflexion im Plenum – was haben wir gespürt?
Ziel: Körperliches Wahrnehmen von Nähe und Kälte – Vorstufe für Empathiearbeit.
⏱ 10 Min.
🎭
Rollenspiel · Perspektivenwechsel
Schulhof-Rollenspiel mit Freeze
Gruppen à 4 spielen eine Schulhof-Szene: 1 Täter, 1 Betroffene/r, 2 Zeugen. LP ruft «Freeze!» – alle stoppen. LP zeigt auf eine Person: «Was denkst du gerade?» – Person antwortet in der Rolle.

Danach: Rollentausch. Jede/r erlebt mindestens 2 Rollen.
Ziel: Perspektivenwechsel durch direktes Erleben aller 3 Rollen.
⏱ 20 Min.
🌡️
Körper · Emotion
Körperthermometer
LP liest eine Mobbing-Situation vor. SuS stehen auf und positionieren sich an einer imaginären Linie im Raum: «Ganz vorne» = sehr betroffen / sehr schlimm. «Ganz hinten» = kaum betroffen.

LP fragt einzelne SuS: «Warum stehst du dort?» Kurze Diskussion über unterschiedliche Wahrnehmungen.
Ziel: Unterschiedliche Empfindlichkeiten sichtbar machen. Empathie stärken.
⏱ 12 Min.
✉️
Schreiben · Reflexion
Brief an die betroffene Person
SuS schreiben anonym einen Brief an eine fiktive Person, die von Mobbing betroffen ist. Leitfragen: «Was würdest du ihr/ihm sagen? Was möchtest du, dass sie/er weiss?»

Optional: Briefe vorlesen (freiwillig). LP sammelt die Briefe und hält fest, welche Aussagen besonders stark sind.
Ziel: Empathie durch Perspektivübernahme und Formulierung von Unterstützung.
⏱ 15 Min.
🔥
Diskussion · Fishbowl
Fishbowl: «Was würdest du tun?»
4 Stühle in der Mitte (Innenkreis), Rest sitzt aussen. In der Mitte wird eine konkrete Situation diskutiert: «Kim wird täglich aus dem Chat ausgeschlossen. Ihr seid Klassenkollegen. Was tut ihr?»

Aussensitzende können reinkommen wenn sie reden möchten. Jemand vom Innenkreis geht raus – max. 4 Personen innen.
Ziel: Handlungsstrategien erarbeiten und öffentlich vertreten.
⏱ 18 Min.
🛑
Training · Zivilcourage
STOPP-Training
SuS üben paarweise: Eine Person macht eine abwertende Aussage (aus einer Karte). Die andere übt körperlich und sprachlich zu stoppen: Handfläche zeigen, «STOPP. Das ist nicht okay.» + Blickkontakt halten.

Danach Reflexion: Was war schwierig? Warum fühlt es sich komisch an, einzugreifen?
Ziel: Zivilcourage nicht nur kennen, sondern körperlich trainieren.
⏱ 14 Min.
🖼️
Galerie · Abschluss
Stärken-Galerie
Jede/r SuS bekommt ein A4-Blatt mit dem eigenen Namen. Die Blätter werden an der Wand aufgehängt. SuS gehen durch den Raum und schreiben auf jedes Blatt eine Stärke der Person.

Am Schluss liest jede/r das eigene Blatt. LP: «Das ist unser Klassenpotenzial gegen Mobbing.»
Ziel: Klassengemeinschaft stärken. Positive Wahrnehmung üben.
⏱ 20 Min.
📜
Verbindlichkeit · Transfer
Klassenvertrag
In Gruppen erarbeiten SuS 3–4 Regeln für den Umgang miteinander (analog und digital). Die besten Regeln werden gesammelt und zu einem gemeinsamen Klassenvertrag zusammengefasst.

Alle unterschreiben. Der Vertrag wird aufgehängt und bei Bedarf wieder hervorgeholt.
Ziel: Verantwortung übernehmen. Sichtbare, gemeinsame Verpflichtung.
⏱ 20 Min.

🧊 12 Aussagen für die Eiswürfel-Übung

LP liest die Aussagen vor. SuS reagieren körperlich: Arme öffnen = warm/angenehm · Arme verschränken = kalt/unangenehm. Kein Richtig oder Falsch – nur eigene Wahrnehmung zählt.

# Aussage / Situation Tendenz Didaktischer Hinweis
1 «Hey, darf ich mich zu euch setzen?» – Alle rücken bereitwillig zusammen. 🌞 Warm Einfacher Start – Zugehörigkeit
2 Jemand lacht laut, als du beim Sport stolperst. Alle schauen zu. 🧊 Kalt Auslachen vor Gruppe
3 Eine Kollegin schreibt dir: «Du hast das heute wirklich gut erklärt, danke!» 🌞 Warm Echte Anerkennung
4 In der Pause setzen sich alle anderen woanders hin – ohne etwas zu sagen. 🧊 Kalt Stilles Ausschliessen
5 Jemand sagt: «Dein Pullover ist voll komisch – haha, war nur ein Witz!» ⚠️ Grauzone Beleidigung als Witz getarnt
6 Du wirst für ein Projekt in ein Team gewählt – obwohl du dich nicht gemeldet hast. 🌞 Warm Wertschätzung ohne Worte
7 Jemand zeigt deinen anderen Kollegen auf dem Handy ein Foto von dir und flüstert. 🧊 Kalt Digitales Blosstellen
8 Eine Mitschülerin fragt dich: «Wie geht's dir eigentlich wirklich?» – und hört wirklich zu. 🌞 Warm Echtes Interesse, Empathie
9 Im Gruppen-Chat werden Witze über jemanden gemacht – alle lachen, du auch ein bisschen. ⚠️ Grauzone Mitlachen als Teilnahme
10 Jemand sagt laut vor der Klasse: «Das war mal wieder typisch schlecht von dir.» 🧊 Kalt Öffentliche Abwertung
11 Du hast einen Fehler gemacht – jemand sagt: «Macht nichts, passiert mir auch. Nächstes Mal klappt's!» 🌞 Warm Fehlerkultur, Unterstützung
12 Du wirst aus dem Klassen-Chat entfernt – ohne Erklärung, einfach so. 🧊 Kalt Digitales Ausschliessen
💡 Reflexionsfragen nach der Übung: «Welche Aussage hat euch am stärksten getroffen?» · «Gibt es eine Aussage, über die ihr euch nicht einig seid?» · «Woran im Körper habt ihr die Reaktion gespürt?»

🎭 Schulhof-Rollenspiel mit Freeze – Ausführliche Beschreibung

Vollständige Anleitung zur Durchführung dieser Methode – inklusive Szenen, Rollenkarten-Entwürfen und Moderationshinweisen.

Was ist die Freeze-Technik?

Die Freeze-Technik stammt aus dem Theaterpädagogik (Forum-Theater nach Augusto Boal). Die LP unterbricht das Rollenspiel zu einem dramatischen Moment mit dem Ruf «Freeze!» – alle Spielenden «frieren ein» (bleiben reglos stehen). Die LP geht zu einer Person, tippt sie an und fragt: «Was denkst du gerade?» Die Person antwortet in der Rolle (Ich-Form). Danach: «Unfreeze!» – das Spiel geht weiter.

✨
Warum ist diese Methode so wirksam?

Sie macht innere Gedanken sichtbar, die sonst unsichtbar bleiben. SuS hören, was der «Täter» wirklich denkt, was das «Opfer» fühlt und warum der «Zeuge» nicht handelt. Das schafft echte Empathie – nicht durch Erklärung, sondern durch Erleben.

Schritt-für-Schritt: Durchführung

SchrittWas tut die LP?Was tun die SuS?
Vorbereitung Rollenkarten austeilen (1× Täter, 1× Betroffene/r, 2× Zeuge). Kurz erklären was auf den Karten steht. Schutzraum-Erinnerung: keine echten Namen, kein Auslachen. Karten lesen. Kurz in die Rolle einfinden. Bei Fragen: fragen.
Szene 1 starten LP liest den Szenen-Einstieg vor: «Es ist Pause auf dem Schulhof…» Signal: «Los!» SuS spielen frei. Keine vorgeschriebenen Texte. Nur die Rollenvorgabe zählt.
Freeze! (1–2×) LP ruft «Freeze!» zu einem spannenden Moment. Tippt nacheinander 2 Personen an. Fragt: «Was denkst du gerade?» Kurze Antworten (max. 20 Sek.). Dann: «Unfreeze!» Alle bleiben reglos. Angetippte Person antwortet in Ich-Form, in der Rolle.
Rollentausch LP stoppt nach 3–4 Min. Rollenkarten weitergeben (im Uhrzeigersinn). Kurz neu einlesen. Neue Rolle übernehmen. Dieselbe Szene nochmals – aus anderer Perspektive.
Szene 2 Zweite Szene starten (schwieriger: Ausschluss aus Chat). Wieder 1–2× Freeze einsetzen. Spielen mit mehr Erfahrung und tieferem Verständnis.
Ausstieg LP sagt deutlich: «Wir treten jetzt aus unseren Rollen heraus.» Alle schütteln kurz die Hände aus (Entrollungs-Ritual). Kurz durchatmen. Rückblick: Wie war das für mich?

Die 2 Schulhof-Szenen

Szene 1 – Schulhof, Pause
Mia sitzt alleine auf der Bank. Eine Gruppe kommt vorbei. Einer sagt laut: «Ah, die Mia – sitzt mal wieder alleine, wie immer.» Die anderen lachen. Zwei stehen dabei und sagen nichts.
Rollenkarten: Täter (Hauptperson), Mia (Betroffene), 2× Zeuge (stehen dabei)
Szene 2 – Klassen-Chat
Die Gruppe schreibt: «Mia kommt heute nicht mit – sie soll einfach mal alleine sein.» Mia sieht die Nachricht. Zwei aus der Gruppe sind dabei, sagen aber nichts.
Rollenkarten: Chat-Anführer/in, Mia (liest mit), 2× Zeuge (im Chat aktiv)

Rollenkarten-Entwurf (zum Ausdrucken)

😤 Täter / Anführer:in

  • Du findest Mia irgendwie komisch
  • Du willst cool wirken vor den anderen
  • Du denkst: «Ist doch nur ein Witz»
  • Startsatz: «Ah schau, da ist ja Mia…»

😔 Betroffene/r (Mia)

  • Du sitzt alleine – das ist normal für dich
  • Du weisst nicht wie du reagieren sollst
  • Du hoffst, dass es aufhört
  • Startsatz: Du sagst erst nichts

👀 Zeuge/Zeugin

  • Du siehst was passiert
  • Du findest es nicht gut, aber sagst nichts
  • Du willst nicht auffallen
  • Du bist unsicher was du tun sollst
💡 Moderationshinweis: Freeze-Fragen variieren: «Was fühlst du gerade?» · «Was hält dich davon ab einzugreifen?» · «Was willst du eigentlich sagen, sagst es aber nicht?» · «Was bräuchtest du jetzt?»
⚠️ Achtung: Das Rollenspiel kann intensive Emotionen auslösen. Das Entrollungs-Ritual (Hände ausschütteln, Namen sagen) ist wichtig! Bei sehr berührten SuS nachher kurz nachfragen.

🔺 Hintergrundwissen: Das Mobbing-Dreieck

Wissenschaftlicher Hintergrund zu den 3 Rollen – als Grundlage für die Lehrperson und als vereinfachte Version für die Klasse.

Das Dreieck nach Dan Olweus

Der norwegische Psychologe Dan Olweus (gilt als Begründer der systematischen Mobbingforschung) beschrieb in den 1970er–90er Jahren, dass Mobbing kein Zweipersonen-Problem ist. Es braucht immer eine Gruppe – und alle spielen eine Rolle, auch wer «nur zuschaut».

😤 Täter/in 😔 Betroffene/r 👀 Zeuge/Zeugin Mobbing braucht immer eine Gruppe
😤
Täter/in (auch: Anführer/in)

Initiert das Mobbing. Oft: Wunsch nach Macht, Kontrolle oder sozialer Anerkennung. Nicht immer sozial isoliert – häufig im Gegenteil gut vernetzt. Braucht ein Publikum. Sieht die Konsequenzen für das Opfer oft nicht oder verdrängt sie. Forschung (Olweus): Täter haben häufig wenig Empathie, aber viel Dominanzstreben.

😔
Betroffene/r (auch: Opfer)

Häufig: Einzelpersonen die schon etwas isoliert sind, weniger Selbstbewusstsein haben oder «anders» wirken. Wichtig: Es ist nie die Schuld der betroffenen Person. Langzeitfolgen sind real: Angst, Schulverweigerung, Depression. Viele Betroffene schweigen lange – aus Scham oder Angst es schlimmer zu machen. Forschung: Frühzeitige Intervention entscheidet über Langzeitwirkung.

👀
Zeuge/Zeugin (auch: Bystander) – die entscheidende Rolle

In einer typischen Mobbing-Situation sind 80–85% der Anwesenden Zeugen. Forschung zeigt: Wenn Zeugen eingreifen, stoppt Mobbing in über 50% der Fälle innerhalb von 10 Sekunden (Craig & Pepler, 1997). Warum greifen sie trotzdem oft nicht ein? Bystander-Effekt (jeder denkt, ein anderer handelt), Angst selbst zum Ziel zu werden, Unsicherheit wie einzugreifen.

🔍
Erweiterte Rollen (nach Salmivalli, 1996)

Die finnische Forscherin Christina Salmivalli hat das Dreieck erweitert:
Assistenten – helfen dem Täter aktiv mit · Verstärker – lachen, feuern an, liken · Aussenstehende – schauen zu, tun nichts · Verteidiger – greifen ein, stärken das Opfer. Die Gruppe formt das Verhalten – Einzelpersonen können es verändern.

Für die Klasse: Das Dreieck einfach erklärt

Diese vereinfachte Version kannst du mit der Klasse besprechen – an der Tafel zeichnen oder auf ein Plakat bringen.

😤 Täter/in

  • Startet das Mobbing
  • Will Macht oder cool wirken
  • Braucht ein Publikum
  • Sieht Konsequenzen oft nicht

😔 Betroffene/r

  • Wird verletzt – ohne es verdient zu haben
  • Schweigt oft aus Scham
  • Braucht Unterstützung von aussen
  • Es ist nie die eigene Schuld

👀 Zeuge/Zeugin

  • Die mächtigste Rolle!
  • Eingreifen stoppt Mobbing oft sofort
  • Auch Zuschauen ist eine Entscheidung
  • Ich kann etwas tun – auch Kleines zählt
💡
Kernsatz für die Klasse:

«Zeugen sind die stillen Hauptpersonen in jeder Mobbing-Geschichte. Sie können das Ende schreiben.»

Lektionsplanung

Detaillierte Zeitplanung für alle 5 Lektionen. Klicke auf eine Lektion um den Ablauf zu sehen.

1
Was ist Mobbing? – Abgrenzen und Erkennen
45 Min. · Einstieg in die Einheit · Merkmale, Formen, Abgrenzung
›
🧊 Erfahrungselement dieser Lektion
Eiswürfel-Übung + Szenario-Karten
SuS erleben körperlich den Unterschied zwischen Wärme und Kälte in Aussagen – bevor das Wort «Mobbing» überhaupt fällt. Anschliessend sortieren sie Situationskarten: «Streit oder Mobbing?»
⏱ 20 Min. Erfahrungsteil
ZeitPhaseInhalt & DurchführungSozialform
0–8'Einstieg🧊 Eiswürfel-Übung (→ Erfahrungselemente). LP führt durch 8 Aussagen. Gemeinsame Reflexion: Was macht eine Aussage «kalt»? Woran merken wir das im Körper?Plenum / Kreis
8–18'ErarbeitungSzenario-Karten sortieren: Gruppen à 3 sortieren 8 Karten in «Streit», «Mobbing» oder «unsicher». Vergleich im Plenum. LP führt die 3 Merkmale von Mobbing ein: absichtlich – wiederholt – Machtungleichgewicht.Gruppe / Plenum
18–28'InputFormen von Mobbing: LP erklärt 4 Formen (körperlich, verbal, sozial, digital) mit je einem Beispiel. SuS ergänzen in Partnerarbeit: «Welche Form ist unsichtbarer? Warum?»LP → Partner
28–38'Vertiefung«Das ist kein Witz»: LP zeigt 3 Aussagen die oft als Witz getarnt sind. SuS diskutieren: Woran erkennst du, ob es ein Witz ist? Was macht den Unterschied?Plenum
38–45'SicherungBlitzlicht: Jede/r nennt ein Wort oder einen Satz – «Das nehme ich heute mit.» LP notiert Kernaussagen an der Tafel. Hinweis auf nächste Lektion: «Wir schlüpfen in verschiedene Rollen.»Plenum / EA
📦
Material: Szenario-Karten (KV 1, ausgedruckt und laminiert), Tafel, optional: kurzes Video-Clip (1–2 Min.) zum Einstieg
2
Die 3 Rollen – Täter, Opfer, Zeuge
45 Min. · Rollenspiel · Perspektivenwechsel · Zivilcourage
›
🎭 Erfahrungselement dieser Lektion
Schulhof-Rollenspiel mit Freeze-Technik
SuS spielen eine Schulhof-Szene. LP friert die Szene ein («Freeze!») und fragt Einzelne nach ihren Gedanken in der Rolle. Jede/r erlebt mindestens 2 Rollen.
⏱ 22 Min. Rollenspiel + Auswertung
ZeitPhaseInhalt & DurchführungSozialform
0–7'EinstiegRückblick + Rollenvorstellung: LP zeigt Dreieck «Täter – Opfer – Zeuge». Kurze Diskussion: Welche Rolle ist eigentlich die mächtigste? (Auflösung: Zeuge – sie können am meisten verändern)Plenum
7–27'Rollenspiel🎭 Schulhof-Rollenspiel mit Freeze (→ Erfahrungselemente). Gruppen à 4 SuS. LP gibt Rollenkarten aus. Szene 1 spielen → Freeze → Reflexion → Rollentausch → Szene 2. LP moderiert Freeze-Momente gezielt.Gruppe / Plenum
27–38'AuswertungSitzkreis-Gespräch: Wie hat sich die Zeugen-Rolle angefühlt? Was hat euch gehindert einzugreifen? Was hätte geholfen? LP: «Zuschauen ist auch eine Entscheidung.»Plenum / Kreis
38–45'SicherungExit-Ticket: SuS schreiben auf ein Post-it: «Als Zeuge wäre es für mich schwierig, weil...» und kleben es anonym an die Tafel. LP liest einige vor – ohne Kommentar, nur als Spiegel.EA
💡 Tipp: Rollenkarten vorher ausdrucken und laminieren. Darauf: Rollenbeschreibung + 1–2 Startsätze für das Rollenspiel. Keine echten Namen verwenden!
📦
Material: Rollenkarten (KV 2), Post-its, Tafel oder Flipchart, Stoppuhr
3
Gefühle & Auswirkungen – Was Mobbing mit uns macht
45 Min. · Empathie · Körperwahrnehmung · Schreiben
›
🌡️ Erfahrungselement dieser Lektion
Körperthermometer + Brief an die betroffene Person
SuS positionieren sich körperlich im Raum zu verschiedenen Situationen und schreiben danach einen Brief – was sie einer betroffenen Person sagen würden.
⏱ 25 Min. Körper + Schreiben
ZeitPhaseInhalt & DurchführungSozialform
0–6'EinstiegKurzgeschichte: LP liest eine 3-minütige Geschichte vor: «Mias Tag» – ein Schulmädchen das täglich gemobbt wird. Ohne Kommentar. Kurze Stille. Dann: «Was habt ihr gerade gespürt?»Plenum / Stille
6–18'Körperübung🌡️ Körperthermometer (→ Erfahrungselemente). LP liest 4 Situationen. SuS positionieren sich. Nach jeder Situation: 1–2 kurze Wortmeldungen – warum dort? Was macht den Unterschied?Klasse / Plenum
18–33'Schreiben✉️ Brief schreiben (→ Erfahrungselemente). SuS schreiben 10 Min. einen Brief an «Mia». Leitfragen auf dem Blatt. Anschliessend: Wer mag, liest vor. Keine Pflicht.EA / Plenum
33–42'VertiefungLangzeitfolgen: LP erklärt kurz was Mobbing langfristig auslösen kann (Schlaf, Konzentration, Vertrauen, Schulverweigerung). SuS ergänzen ein Körperbild: «Wo spürst du es?»EA / Plenum
42–45'SicherungEin-Wort-Runde: Jede/r nennt ein Wort das diese Lektion beschreibt. LP: «Nächste Stunde: Was können WIR tun?»Plenum
⚠️ Achtsamkeit: Einige SuS haben möglicherweise eigene Erfahrungen mit Mobbing. Die Übungen können starke Emotionen auslösen. Beobachte die Klasse und biete bei Bedarf ein Einzelgespräch an.
📦
Material: «Mias Tag» (KV 3, Kurzgeschichte), Körperbild-Blatt (KV 4), Briefpapier (unliniert), Stifte
4
Handeln & Helfen – Zivilcourage üben
45 Min. · Strategien · STOPP-Training · Fishbowl-Diskussion
›
🔥 Erfahrungselement dieser Lektion
Fishbowl-Diskussion + STOPP-Training
SuS diskutieren im Fishbowl konkrete Situationen und entwickeln gemeinsam Handlungsstrategien. Danach trainieren sie paarweise das körperliche Stoppen einer Mobbing-Situation.
⏱ 28 Min. Fishbowl + Training
ZeitPhaseInhalt & DurchführungSozialform
0–7'Einstieg«Was hättest du getan?»: LP zeigt 2 kurze Comic-Strips mit Mobbing-Situationen. SuS schreiben auf ein Haftnotiz: «Ich hätte...» – anonym kleben, LP liest einige vor.EA / Plenum
7–22'Diskussion🔥 Fishbowl-Diskussion (→ Erfahrungselemente). Situation: «Kim wird täglich aus dem Klassen-Chat ausgeschlossen. Was tut ihr?» Innenkreis diskutiert, Aussenkreis beobachtet. Rollenwechsel möglich.Plenum / Kreis
22–36'Training🛑 STOPP-Training (→ Erfahrungselemente). Partner-Übung. KV 5: Karten mit abwertenden Aussagen. Geübt wird: Handfläche zeigen, «STOPP. Das ist nicht okay.» Blickkontakt halten. Dann Reflexion.Partner
36–45'SicherungStrategie-Plakat: Gruppen erstellen ein Mini-Plakat «Unsere 3 Strategien als Zeuge». Aufgehängt im Schulzimmer. LP: «Morgen bringen wir das auf unser ganzes Klassen-Leben.»Gruppe
📦
Material: Comic-Strips (KV 5), STOPP-Karten mit Aussagen (KV 6), A3-Papier für Strategie-Plakat, Stifte/Marker
5
Unsere Klasse – Abschluss & Verbindlichkeit
45 Min. · Klassenvertrag · Stärken-Galerie · Transfer
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🖼️ Erfahrungselement dieser Lektion
Stärken-Galerie + Klassenvertrag
SuS schreiben einander Stärken auf – als positive Grundlage. Danach erarbeiten sie gemeinsam einen Klassenvertrag der für alle gilt.
⏱ 35 Min. Galerie + Vertrag
ZeitPhaseInhalt & DurchführungSozialform
0–8'RückblickReise durch die Einheit: LP zeigt kurz alle 5 Erfahrungselemente auf Fotos (Polaroids an der Tafel). «Was war dein persönlichstes Moment?» – kurze Runde ohne Druck.Plenum
8–28'Erfahrung🖼️ Stärken-Galerie (→ Erfahrungselemente). Jede/r bekommt ein Blatt mit eigenem Namen. Blätter an der Wand. SuS gehen durch den Raum, schreiben Stärken. Anschliessend: lesen + teilen.Klasse / EA
28–42'Verbindlichkeit📜 Klassenvertrag (→ Erfahrungselemente). Gruppen erarbeiten je 3 Regeln. Plenum: Auswahl der wichtigsten. Schreiben auf grosses Papier. Alle unterschreiben. Aufhängen!Gruppe / Klasse
42–45'AbschlussRitualabschluss: Alle stehen im Kreis. LP: «Eine Sache die ich von heute mitnehme.» Jede/r nennt eine. Klatschen – fertig.Plenum / Kreis
💡 Tipp: Den Klassenvertrag laminieren und gut sichtbar aufhängen. Bei Vorfällen kann direkt darauf Bezug genommen werden: «Wir haben vereinbart, dass...»
📦
Material: A4-Blätter für Stärken-Galerie (1 pro SuS), Kleber/Tesa, Marker, Grosses Papier für Klassenvertrag, Stifte zum Unterschreiben

Szenarien & Diskussionsfragen

Diese Szenarien können flexibel in allen Lektionen eingesetzt werden – für Szenario-Karten, Rollenspiele, Fishbowl-Diskussionen oder Körperthermometer-Übungen.

Szenario-Karten: Streit oder Mobbing?

SuS sortieren diese Situationen in «Streit», «Mobbing» oder «Grauzone». Anschliessend begründen sie ihre Entscheidung.

Szenario A
Tim und Jonas streiten nach dem Fussball. Tim sagt: «Du bist so schlecht!» Jonas ist wütend, aber sie reden sich am nächsten Tag wieder aus.
→ Streit – einmalig, auf Augenhöhe, wird gelöst
Szenario B
Seit 3 Wochen schreiben 4 Mädchen täglich gemeine Nachrichten an Lena. Wenn sie sie anschaut, lachen sie. In der Gruppe wird sie ignoriert.
→ Mobbing – wiederholt, absichtlich, Machtungleichgewicht
Szenario C
Ella vergisst zweimal, Nora zur Geburtstagsparty einzuladen. Nora ist verletzt. Ella entschuldigt sich, aber Nora bleibt sauer.
→ Grauzone – Intention unklar, kein Muster erkennbar
Szenario D
Ein Foto von Max in einem peinlichen Moment wird in der Klassengruppe geteilt. Alle lachen. Max war nicht einverstanden. Es passiert immer wieder.
→ Mobbing (digital) – Blosstellen ohne Einverständnis, wiederholt
Szenario E
Leon schlägt Sam einmal auf dem Schulhof. Sam sagt es der Lehrperson. Leon wird ermahnt. Es passiert nicht wieder.
→ Streit / Übergriff – aber kein Muster, nicht wiederholt
Szenario F
Immer wenn Anna etwas sagt, lachen die anderen. Das geht seit 2 Monaten so. Wenn sie aufzeigt, verdreht jemand die Augen. Niemand fragt sie, ob sie mitmacht.
→ Mobbing (sozial) – systematische Ausgrenzung und Erniedrigung

5 reale Beispiele – Mobbing in der Schule

Diese Beispiele basieren auf dokumentierten Mustern aus der Mobbingforschung und Schulpraxis in der Schweiz und Deutschland. Namen sind fiktiv. Sie eignen sich als Gesprächseinstieg, für Fishbowl-Diskussionen oder zur Analyse im Plenum.

⚠️ Hinweis für LP: Prüfe vor dem Einsatz, ob ähnliche Situationen aktuell in deiner Klasse bestehen. Bei Bedarf Szenarien anpassen oder durch eigene ersetzen.
📸
Beispiel 1 · Cybermobbing
«Das Foto»

Was passierte: Beim Schulsport stolpert Finn (11) und fällt hin. Ein Mitschüler macht heimlich ein Foto und schickt es in die Klassengruppe auf WhatsApp mit dem Kommentar «LOL typisch Finn 😂». Innerhalb von 20 Minuten kommentieren 14 Mitschüler – mit Lach-Emojis, GIFs, weiteren Witzen. Finn sieht die Nachrichten in der Pause. Am nächsten Tag macht jemand ein Meme daraus. Eine Woche später kennen auch SuS aus Parallelklassen das Foto.

FORM
Cybermobbing · Blosstellen · Virales Verbreiten
WAS MACHT ES ZU MOBBING
Wiederholt (Meme, Parallelklassen), Machtungleichgewicht (viele gegen einen), ohne Einverständnis
DISKUSSIONSFRAGE
Wer trägt Verantwortung – nur der erste? Auch wer likt oder kommentiert?
🚪
Beispiel 2 · Soziales Mobbing
«Der Stuhl»

Was passierte: Lara (10) ist neu in der Klasse. Nach einer Woche bemerkt sie: Wenn sie sich in der Pause hinsetzen will, schieben Mitschüler ihre Rucksäcke auf den freien Platz. Niemand erklärt ihr warum. Im Sportunterricht wird sie immer als letzte gewählt. Im Gruppenauftrag fragt niemand, ob sie mitmachen will. Wenn sie etwas sagt, reden die anderen einfach weiter. Nach 6 Wochen geht Lara alleine in die Pause – weil sie aufgehört hat, es zu versuchen.

FORM
Soziales Mobbing · systematische Ausgrenzung · nonverbales Mobbing
WAS MACHT ES ZU MOBBING
Kein einzelner sagt etwas Gemeines – aber die Gruppe handelt koordiniert und wiederholt ausgrenzend
DISKUSSIONSFRAGE
Ist es Mobbing wenn niemand etwas «Böses» sagt? Was hätte ein Zeuge tun können?
🎭
Beispiel 3 · Verbales Mobbing
«Der Spitzname»

Was passierte: Jonas (12) macht einmal in der Klasse einen Fehler beim Rechnen. Jemand sagt «Du bist ja ein richtiger Dummkopf» – alle lachen. Der Spitzname «Dummkopf» bleibt. Bald rufen ihn mehrere SuS nur noch so – auch Leute die nicht dabei waren. Wenn er in den Pausen vorbeiläuft, flüstern sie den Spitznamen. Er wird zur Routine. Jonas bittet sie aufzuhören – sie lachen. Wenn er der LP davon erzählt, heisst es: «Das ist doch nur ein Witz.» Nach 3 Monaten geht Jonas nicht mehr in die Schule.

FORM
Verbales Mobbing · Spitzname · Beleidigung als «Witz» getarnt
WAS MACHT ES ZU MOBBING
Täglich, trotz klarer Bitte aufzuhören. Schulverweigerung als Konsequenz. Keine Reaktion der LP.
DISKUSSIONSFRAGE
Ab wann ist ein Spitzname kein Witz mehr? Wer trägt die Verantwortung – auch die LP?
💬
Beispiel 4 · Cybermobbing · Fake-Profil
«Das falsche Profil»

Was passierte: Eine Gruppe Mädchen (Klasse 6) erstellt ein gefälschtes Instagram-Profil im Namen von Mia (11). Sie benutzen Mias echte Fotos und schreiben beleidigende Kommentare «als Mia». Mia bemerkt es, als Klassenkollegen sie auf der Strasse darauf ansprechen. Das Profil sammelt in 3 Tagen über 80 Follower aus der Schule. Mia meldet das Profil bei Instagram – es dauert 9 Tage bis es gelöscht wird. Die Beziehungen in der Klasse sind danach dauerhaft beschädigt.

FORM
Fake-Profil · Identitätsdiebstahl · Cybermobbing mit rechtlichen Konsequenzen
WAS MACHT ES ZU MOBBING
Koordinierte Gruppe, Öffentlichkeit (80 Follower), Rufschädigung, rechtlich relevant (Identitätsdiebstahl)
DISKUSSIONSFRAGE
Was sind die rechtlichen Konsequenzen? Was hätten die 80 Follower tun können?
💪
Beispiel 5 · Wie Eingreifen wirkt
«Der eine Satz»

Was passierte: Tom (11) wird seit Wochen in den Pausen ausgeschlossen. Eines Tages setzt sich Luca – beliebt in der Klasse – in der Pause neben Tom und fragt: «Darf ich mich zu dir setzen?» Zwei weitere Kinder folgen Luca. Am nächsten Tag grüsst Luca Tom auch in der Klasse. Innerhalb einer Woche hat Tom wieder Anschluss. Das Mobbing hört auf. Luca hat nie laut «Stopp!» gerufen – er hat einfach gehandelt.

WARUM DIESES BEISPIEL
Zeigt: Eingreifen muss nicht dramatisch sein. Kleine Gesten von einflussreichen Zeugen verändern Gruppendynamiken.
FORSCHUNGSBEZUG
Bestätigt Salmivallis Zeugenstudie: Sozial angesehene Zeugen haben den grössten Einfluss auf Mobbingdynamiken.
DISKUSSIONSFRAGE
Was hat Luca riskiert? Was hat er gewonnen? Was wäre passiert, wenn er nichts getan hätte?
🎯
Didaktischer Hinweis zum Einsatz der Beispiele

Beispiel 1–4 zeigen Mobbing-Dynamiken aus verschiedenen Perspektiven. Beispiel 5 zeigt bewusst eine positive Wendung – als Abschluss oder Einstieg in die Zivilcourage-Lektion besonders wirkungsvoll. Alle Beispiele können mit der Klasse als stille Lektüre, Vorlesung durch LP oder als Basis für ein Rollenspiel eingesetzt werden.

Diskussionsfragen für alle Lektionen

💬
Für Betroffene

«Wenn du betroffen wärst – wen würdest du zuerst ansprechen, und warum?» · «Was bräuchtest du von den anderen?» · «Was würde es erleichtern, es zu erzählen?»

👀
Für Zeugen

«Warum schauen viele einfach zu?» · «Was hält euch davon ab einzugreifen?» · «Was wäre der kleinste mögliche Schritt?» · «Was macht «Zuschauen» mit euch selbst?»

🔍
Über die Gruppe

«Warum lachen manche mit, auch wenn sie es nicht gut finden?» · «Was braucht eine Klasse damit sich niemand alleine fühlt?» · «Was ist der Unterschied zwischen lustig und verletzend?»

Reflexionsfragen für Einzelarbeit (Heft)

  • Was war für mich heute neu oder überraschend?
  • Habe ich selbst schon einmal etwas erlebt, das ich heute wiedererkannt habe?
  • Was würde ich anders machen, wenn ich nochmals Zeuge einer solchen Situation wäre?
  • Was ist eine Stärke von mir, die ich gegen Mobbing einsetzen kann?
  • An wen würde ich mich wenden, wenn ich Hilfe bräuchte?

Differenzierung & Anpassungen

Die Einheit ist für eine breite Alters- und Leistungsgruppe konzipiert. Hier findest du Anpassungsideen für unterschiedliche Bedürfnisse.

Nach Lernniveau

🌱 Unterstützung (Klasse 4)

  • Szenario-Karten mit Bildunterstützung
  • Rollenkarten mit Startsätzen
  • Nur 2–3 Reflexionsfragen (nicht alle)
  • Partnerarbeit statt Einzelarbeit
  • Schreiben durch Zeichnen ersetzen
  • Kürzere Texte, mehr Bilder

📘 Basis (Klasse 4–5)

  • Alle Erfahrungselemente wie geplant
  • Partnerarbeit und Gruppenarbeit
  • Reflexion mündlich und schriftlich
  • Szenario-Karten sortieren
  • STOPP-Training im Paar
  • Klassenvertrag gemeinsam

🚀 Vertiefung (Klasse 5–6)

  • Eigene Szenarien entwickeln
  • Interview einer betroffenen Person (fiktiv)
  • Recherche: Beratungsstellen, Rechte
  • Kurzfilm oder Podcast produzieren
  • Anti-Mobbing-Konzept erarbeiten
  • Verknüpfung mit Cybermobbing-Einheit

Besondere Situationen

⚠️
Wenn es in der Klasse aktuell ein Mobbing-Problem gibt

Rollenspiele können zu nah an der Realität sein. Variante: Nur mit fiktiven Namen und Situationen arbeiten. Rollenspiele weglassen und durch stille Reflexion ersetzen. Zuerst mit der Schulsozialarbeit abklären.

🌍
Klassen mit unterschiedlichem Sprachhintergrund

Körperübungen (Eiswürfel, Körperthermometer) brauchen wenig Sprache. Bildbasierte Szenariokarten einsetzen. Begriffe visualisieren. Rollenspiele mit einfacher Sprache vorbereiten.

🧩
SuS mit besonderem Förderbedarf

Klare Strukturen und Vorabinformationen. Rollenkarten mit Bildern ergänzen. Geräuschempfindliche SuS: Ruhezone anbieten. Soziale Situationen vorab besprechen damit sie nicht überraschend kommen.

Zeitliche Anpassungen

Verfügbare ZeitEmpfehlung
1 LektionL1 (Was ist Mobbing?) + Eiswürfel-Übung + Szenario-Karten. Wichtigste Grundlagen in 45 Min.
2 LektionenL1 + L4 (Handeln). Erkennen und handeln als Kernanliegen.
3 LektionenL1 + L2 + L5. Erkennen – Rollen erleben – Abschluss mit Verbindlichkeit.
5 LektionenAlle Lektionen wie geplant. Optimale Wirkung.

Materialien & Hinweise

Alle Kopiervorlagen und Hilfsmittel auf einen Blick – mit Hinweisen zur Vorbereitung und Verwendung.

Kopiervorlagen (KV) – Übersicht

KVInhaltLektionHinweis
KV 1Szenario-Karten «Streit oder Mobbing?» (8 Karten)L1Ausdrucken + laminieren
KV 2Rollenkarten Schulhof-Rollenspiel (Täter, Opfer, 2× Zeuge)L21 Set pro Gruppe
KV 3«Mias Tag» – Kurzgeschichte (1 A4-Seite)L3Vorlesen durch LP
KV 4Körperbild «Wo spürst du es?» (Umriss Körper)L31 pro SuS
KV 5Comic-Strips Mobbing-Situationen (2 Szenen)L4Farbig drucken empfohlen
KV 6STOPP-Karten mit abwertenden Aussagen (10 Karten)L4Laminieren empfohlen
KV 7Klassenvertrag-Vorlage (gross, mit Unterschriftsfeld)L5A3, nach L5 laminieren

Weiterführende Hilfsangebote für SuS

📞
Pro Juventute – Beratung für Kinder und Jugendliche

Telefon: 147 · kostenlos · 24 Stunden · anonym · auch per Chat auf 147.ch

💻
Onlinejugendarbeit.ch / Cybermobbing.ch

Informationen und Beratung zu Cybermobbing. Für SuS und Lehrpersonen. Gute ergänzende Materialien.

🏫
Schulsozialpädagogik (SSP)

Bei konkreten Vorfällen: Die Schulsozialpädagogin / den Schulsozialpädagogen frühzeitig einbeziehen. Gemeinsam handeln ist wirkungsvoller als alleine.

Hinweise für Lehrpersonen

🔒 Schutzraum: Vor der ersten Lektion gemeinsam Regeln festlegen: Was in der Klasse besprochen wird, bleibt in der Klasse. Keine echten Namen in Rollenspielen. Kein Auslachen.
💬 Eigene Erfahrungen: Wenn SuS eigene Erfahrungen teilen – aktiv zuhören, nicht unterbrechen, danken dass sie es teilen. Nachher ein Gespräch anbieten.
📷 Dokumentation: Fotos der Stärken-Galerie und des Klassenvertrags können als Erinnerung im Schulzimmer aufgehängt bleiben.
⚠️ Meldepflicht: Wenn ein konkretes Mobbing-Vorkommnis bekannt wird, gelten die schulinternen Meldewege. Diese Einheit ersetzt keine Intervention – sie ergänzt sie.