Unterricht Digital · Datenschutz
Du bist der
gläserne Mensch
Jeden Tag sammeln Apps, Webseiten und Geräte Daten über dich. Aber welche? Warum? Und was kannst du dagegen tun?
4 000+
Datenpunkte täglich
pro Person
pro Person
79 %
aller Apps teilen Daten
mit Dritten
mit Dritten
5 Min.
reichen, um ein genaues
Profil zu erstellen
Profil zu erstellen
Teil 1
Welche Daten werden gesammelt?
Du erzeugst ständig Daten – oft ohne es zu merken. Hier die wichtigsten Arten:
Standortdaten
Dein Smartphone weiss jederzeit, wo du bist – bis auf wenige Meter genau. Auch wenn du eine App schliesst, kann sie im Hintergrund deinen Standort aufzeichnen.
Google Maps
Instagram
Wetterapp
Suchverlauf
Alles, was du googelst, wird gespeichert und ausgewertet. Aus deinen Suchanfragen lässt sich viel über dich ableiten: Gesundheit, Hobbys, Pläne, Ängste.
Google
Bing
YouTube
Likes & Klicks
Nicht nur was du postest zählt – auch was du anschaust (sogar ohne zu liken), wie lange du scrollst und worauf du klickst, wird registriert.
TikTok
Instagram
Facebook
Kaufverhalten
Was du kaufst, wann, wie oft und wie viel es kostet – ein genaues Bild deiner Finanzen und Vorlieben. Auch Bonuskarten und Kreditkarten tracken das.
Amazon
Zalando
Migros Cumulus
App-Nutzung
Welche Apps du benutzt, wie lange und um welche Uhrzeit – das verrät deinen Alltag und deine Gewohnheiten. Auch dein Smartphone-Hersteller speichert das.
Android
iOS
Gratis-Apps
Stimme & Gesicht
Sprachassistenten hören mit (nicht nur wenn du sie rufst). Gesichtserkennung erkennt dich auf Fotos und in Läden. Diese Daten sind sehr persönlich.
Siri
Alexa
Face ID
Cookies & Tracking
Webseiten speichern kleine Dateien (Cookies) auf deinem Gerät. So wissen sie, dass du wieder da bist – und können dich auf anderen Seiten wiedererkennen.
Alle Webseiten
Online-Shops
Newsportale
Nachrichten & Kontakte
Viele Apps wollen Zugriff auf deine Kontaktliste und manchmal sogar auf deine Nachrichten. So kennen sie dein soziales Netz.
WhatsApp
Snapchat
Gratis-Spiele
Teil 2
Wer sammelt diese Daten?
Viele verschiedene Akteure – nicht nur die grossen Tech-Konzerne:
Google / Alphabet
Google, YouTube, Maps, Gmail, Chrome, Android – fast jede deiner Online-Aktivitäten
Meta
Facebook, Instagram, WhatsApp, Threads – auch wenn du kein Konto hast!
TikTok / ByteDance
Sehr viele Daten: Tastendrücke, Gesichtsbewegungen, Gerätedaten
Amazon / Shops
Kaufhistorie, Suchen, Produktvergleiche, Lieferadressen, Kreditkarteninfos
Gratis-Apps & Spiele
«Kostenlos» bedeutet oft: du zahlst mit deinen Daten statt mit Geld
Läden & Kundenkarten
Migros Cumulus, Coop Supercard etc. verknüpfen Einkäufe mit deiner Person
Behörden & Staat
Meldedaten, Steuerinfos, Überwachungskameras im öffentlichen Raum
Datenhändler
Unbekannte Firmen kaufen und verkaufen Datenpakete über Millionen Menschen
Teil 3
Warum wollen sie diese Daten?
Daten sind das «Öl des 21. Jahrhunderts» – sie sind sehr wertvoll. Hier die wichtigsten Gründe:
1
Werbung verkaufen 💰
Der Hauptgrund. Je mehr eine Firma über dich weiss, desto gezieltere Werbung kann sie dir zeigen – und desto mehr Geld bekommt sie von Werbetreibenden. Google und Meta verdienen so Milliarden.
2
Dienste verbessern 🛠️
Firmen lernen aus deinem Verhalten, was funktioniert und was nicht. So werden Apps besser, Empfehlungen genauer, Spracherkennung präziser.
3
Daten weiterverkaufen 📦
Viele Firmen verkaufen deine Daten an andere weiter – z. B. an Versicherungen, Banken oder andere Werbefirmen. Manchmal weiss man gar nicht, wer am Ende deine Daten hat.
4
Dich beeinflussen 🎯
Mit Wissen über deine Meinungen und Gefühle können Firmen und auch politische Gruppen gezielt Inhalte zeigen, die dein Verhalten oder deine Meinung beeinflussen.
5
Risiken einschätzen 📋
Versicherungen und Banken wollen wissen, ob du «risikoreich» bist. Daten über Gesundheit, Fahrverhalten oder Lebensweise können Einfluss auf deinen Versicherungstarif haben.
6
KI trainieren 🤖
Millionen von Nutzerdaten helfen dabei, KI-Systeme zu trainieren. Deine Texte, Fotos und Suchanfragen fliessen oft (auch ohne dein Wissen) in KI-Modelle ein.
💡 Beispiel aus dem Alltag
Du suchst auf Google nach «Knieschmerzen». Eine Stunde später siehst du auf Instagram Werbung für Kniebandagen. Tags darauf zeigt dir eine Krankenversicherung ein Angebot. Das ist kein Zufall – das ist gezieltes Tracking.
Teil 4
Was kannst du dagegen tun?
Du kannst nicht alles verhindern – aber du kannst sehr viel tun, um deine Privatsphäre zu schützen:
App-Berechtigungen prüfen
Viele Apps fragen nach Berechtigungen, die sie gar nicht brauchen. Prüfe regelmässig, welche Apps Zugriff auf Kamera, Mikrofon, Standort und Kontakte haben.
- ✓Einstellungen → Apps → Berechtigungen öffnen
- ✓Standort nur «beim Benutzen» erlauben
- ✓Mikrofon und Kamera: nur wenn nötig
Browser & Suche
Wechsle auf eine datenschutzfreundlichere Suche. Nutze den Incognito-Modus oder einen Browser, der Tracker blockiert.
- ✓DuckDuckGo oder Startpage statt Google
- ✓Firefox oder Brave statt Chrome
- ✓Incognito für sensible Suchen
Cookies ablehnen
Wenn eine Webseite nach Cookies fragt: nur notwendige akzeptieren. Tracking-Cookies erlauben es Firmen, dich über viele Webseiten zu verfolgen.
- ✓«Nur notwendige Cookies» wählen
- ✓Cookies im Browser regelmässig löschen
- ✓Browser-Erweiterung «uBlock Origin» nutzen
Starke Passwörter
Wenn Daten gestohlen werden (Datenpanne), sind schwache Passwörter ein grosses Risiko. Nutze für jede Seite ein anderes Passwort.
- ✓Passwortmanager: Bitwarden (kostenlos)
- ✓Zwei-Faktor-Authentifizierung einschalten
- ✓Nie dasselbe Passwort zweimal nutzen
Datenschutz-Einstellungen
Alle grossen Plattformen haben Datenschutz-Einstellungen – aber sie sind oft gut versteckt. Nimm dir 10 Minuten, um sie zu überprüfen.
- ✓Google: myaccount.google.com → Datenschutz
- ✓Instagram: Einstellungen → Sicherheit & Privatsphäre
- ✓Werbepersonalisierung überall ausschalten
Bewusst posten
Was du ins Internet stellst, bleibt oft für immer. Überlege gut, bevor du Fotos, Standorte oder persönliche Infos teilst.
- ✓Kein Echtzeit-Standort posten
- ✓Profile auf «privat» stellen
- ✓Vor dem Posten: «Wer sieht das?» fragen
Teil 5
Deine Rechte in der Schweiz & EU
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und das Schweizer Datenschutzgesetz (DSG) geben dir Rechte:
Auskunftsrecht
Du kannst jederzeit fragen: «Was speichert ihr über mich?» – und musst eine Antwort bekommen.
Recht auf Löschung
Du kannst verlangen, dass deine Daten gelöscht werden – das sogenannte «Recht auf Vergessenwerden».
Recht auf Berichtigung
Falsche Daten über dich können und müssen korrigiert werden, wenn du es verlangst.
Widerspruchsrecht
Du kannst der Nutzung deiner Daten für Werbung widersprechen – und die Firma muss aufhören.
📬 So machst du es
Schreib eine E-Mail an den Datenschutzbeauftragten der Firma (Adresse meist im Impressum oder in der Datenschutzerklärung). Betreff: «Auskunftsbegehren gemäss DSG/DSGVO». Du hast ein Recht auf eine Antwort innerhalb von 30 Tagen.
🚀 Sofort-Check: 5 Dinge, die du heute noch tun kannst
Öffne Handy-Einstellungen → Apps → prüfe, welche App Standortzugriff hat
Gehe auf myaccount.google.com → «Meine Aktivitäten» anschauen
Instagram/TikTok: Konto auf «privat» stellen, wenn es das noch nicht ist
Für einen Tag DuckDuckGo statt Google ausprobieren
Beim nächsten Cookie-Banner nur «Notwendige Cookies» akzeptieren
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